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Was ist GLP-1? Das Hormon hinter Hunger und Sättigung

Die meisten kennen GLP-1 als Medikamentennamen. Dein Darm bildet das Hormon nach jeder Mahlzeit selbst. Evan Lynch erklärt, was es wirklich tut und wo die Medikamente abweichen.

Geschrieben von Ernährungsexperte Evan Lynch, MSc
12 MIN READ — ZULETZT AKTUALISIERT — 08/06/2026

Kaum ein Begriff aus der Hormonforschung hat es so schnell in die Alltagssprache geschafft wie GLP-1, und kaum einer wird so oft mit einem Medikament verwechselt. Den meisten ist die Abnehmspritze längst vertraut, das Hormon dahinter dagegen kaum. Evan Lynch, Ernährungsexperte in unserem Team, dreht die Reihenfolge um und fängt bei der Biologie an.

Auf einen Blick

  • 01.

    GLP-1 ist ein Hormon, das dein Körper nach jeder Mahlzeit selbst bildet. Die Medikamente sind daraus entwickelte Analoga und keine bloßen Kopien dieses Moleküls.

  • 02.

    Es reguliert den Appetit, den Blutzucker und das Tempo, in dem sich dein Magen entleert.

  • 03.

    GLP-1-Medikamente wie Ozempic, Wegovy und Mounjaro ahmen dieses Hormon nach, allerdings auf einem deutlich höheren und länger anhaltenden Niveau.

  • 04.

    Was du isst, beeinflusst deine eigene GLP-1-Ausschüttung: Protein, Ballaststoffe und gesunde Fette sind die verlässlichsten Auslöser.

  • 05.

    Wer weiß, was GLP-1 ist, liest die Schlagzeilen über Abnehmmedikamente deutlich nüchterner.

Lerne unseren Experten kennen

Evan Lynch, MSc

MSc — Sporternährung, staatlich anerkannter Ernährungsberater

Evan Lynch ist Ernährungsberater mit einem Bachelor in Lebensmittelwissenschaft und Gesundheit, einem Postgraduiertendiplom in Diätetik sowie einem Master in Sporternährung. Als Head of Nutrition für Europa bei AG1 verantwortet er die strategische Ausrichtung im Bereich Ernährung sowie Bildungsarbeit und evidenzbasierte Kommunikation. Parallel dazu führt er eine eigene Praxis und betreut Klient:innen in den Bereichen Sporternährung, gastrointestinale Erkrankungen, Ernährung im Alter und Gewichtsmanagement.

Erst das Hormon, dann die Schlagzeilen

In den letzten Jahren ist "GLP-1" zum Kürzel für eine ganze Klasse von Abnehmmedikamenten geworden. Der Begriff taucht in den Nachrichten auf, in Social Media und in Gesprächen mit Freunden und Familie. Was dabei fast immer untergeht: GLP-1 ist zuerst einmal ein Hormon, das dein eigener Darm nach jeder Mahlzeit bildet, dein Leben lang. Wie viel er davon herstellt und wie empfindlich der Körper darauf reagiert, ist allerdings von Mensch zu Mensch verschieden.

Diese Unterscheidung wird oft ungenau wiedergegeben, deshalb der Reihe nach. Das Molekül GLP-1 lässt sich im Labor herstellen und wird auch dort hergestellt. Die Medikamente, die seinen Namen tragen, sind eindeutig Arzneimittel, verschreibungspflichtig und entsprechend reguliert. Das Besondere ist nicht, dass GLP-1 "kein Medikament sein kann". Das Besondere ist: Der Signalweg, an dem diese Medikamente ansetzen, existiert ohnehin schon in dir und läuft im Hintergrund deiner Verdauung, ob du je davon gehört hast oder nicht. Die Medikamente sind ein eigenes Produkt, gezielt dafür entwickelt, auf genau diesen Weg zu wirken, und zwar viel länger als das körpereigene Hormon. Sie verstärken also ein System, das längst vorhanden ist, und erfinden keines.

Wie Sättigung schon vor GLP-1 funktionierte

GLP-1 greift in ein System ein, das längst besetzt ist. Hunger und Sättigung regelte lange vor den ersten Schlagzeilen ein Netzwerk aus Hormonen und Hirnschaltkreisen. Wer dieses Netzwerk kennt, erkennt anschließend viel leichter, welche Rolle GLP-1 darin spielt.

Leptin entsteht im Fettgewebe, und zwar etwa proportional zu dessen Menge. Es ist ein langfristiges Signal über die Energiereserven und keines von Mahlzeit zu Mahlzeit. Leptin erreicht den Hypothalamus und meldet dem Gehirn grob, wie gut die Speicher gefüllt sind. Reichen die Reserven, dämpft das den Appetit. Bei einer Leptinresistenz reagiert das Gehirn trotz hoher Blutwerte nicht mehr richtig auf dieses Signal. Das ist ein gut dokumentiertes Merkmal von Adipositas und einer der Gründe, warum sich aus der Fettmasse allein nicht ableiten lässt, wie hungrig jemand ist. Ausführlich haben wir das Sättigungshormon Leptin an anderer Stelle beschrieben.

Ghrelin arbeitet in die andere Richtung und heißt deshalb manchmal Hungerhormon. Es entsteht überwiegend im Magen, steigt in den Stunden vor einer Mahlzeit und fällt danach wieder ab. Über den Tag folgt es dem Hungergefühl also recht genau. Während Leptin den langfristigen Energiestatus abbildet, verhält sich Ghrelin eher wie ein Appetitsignal im Hier und Jetzt. Häufig werden die beiden als Gegenspieler beschrieben.

CCK (Cholecystokinin) ist GLP-1 schon deutlich ähnlicher. Es ist ein Darmhormon und wird innerhalb von Minuten nach dem Essen aus dem Dünndarm freigesetzt, besonders als Reaktion auf Fett und Protein. Beim Gehirn meldet es sich über den Vagusnerv und nicht direkt über das Blut, und seine Wirkung bleibt kurz und an die Mahlzeit gebunden. Es verlangsamt die Magenentleerung und hilft, eine Mahlzeit natürlich zu beenden. Außerdem lässt es die Gallenblase kontrahieren, daher auch sein Name.

POMC- und AgRP-Neurone im Nucleus arcuatus des Hypothalamus sind kein Hormon, sondern die Schaltzentrale, in der Signale wie Leptin und Ghrelin zusammenlaufen. POMC-Neurone setzen alpha-MSH frei, das an den MC4R-Rezeptor bindet und den Appetit dämpft. Eine zweite Gruppe von Neuronen setzt AgRP frei und macht das Gegenteil: Sie blockiert denselben Rezeptor und treibt den Hunger an. Für die Appetitregulation zählt vor allem das Gleichgewicht dieser beiden Zellgruppen. Störungen genau dieses Wegs, darunter seltene Mutationen im MC4R-Gen selbst, gehören zu den bekanntesten genetischen Ursachen für schwere, früh einsetzende Adipositas.

Das Endocannabinoid-System fällt aus der Reihe, denn es treibt die Nahrungsaufnahme an, statt sie zu bremsen. Die körpereigenen cannabinoidähnlichen Moleküle, vor allem Anandamid und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG), wirken auf CB1-Rezeptoren im Gehirn. Sie fördern das Essen von besonders schmackhafter, energiedichter Nahrung und verstärken die Motivation, danach zu suchen. An denselben Rezeptor setzt THC an, weshalb Cannabiskonsum so zuverlässig den Appetit steigert. Wegen dieser appetitfördernden Wirkung entwickelte die Pharmaforschung Mitte der 2000er ein CB1-blockierendes Medikament namens Rimonabant, das in Europa zur Behandlung von Adipositas zugelassen wurde. Wenige Jahre später kam es wieder vom Markt, nachdem es mit einem deutlich erhöhten Risiko für Depressionen und andere psychiatrische Nebenwirkungen in Verbindung gebracht wurde. Das zeigt, wie eng Appetitschaltkreise mit Stimmung und Belohnung verwoben sind: Ein Eingriff an einer Stelle bleibt selten ohne Folgen an den anderen.

Vor diesem Hintergrund ist GLP-1 eine eigene Stimme in einem ohnehin gut besetzten Gespräch. Es ist ein Darmhormon, das kurz nach dem Essen wirkt und die Verdauung direkt mit derselben hypothalamischen Schaltung verbindet, in die auch Leptin, Ghrelin und das Melanocortin-System einspeisen. Es ist nicht das ganze System, und neu ist dieses System auch nicht. GLP-1 ist ein gut verstandener und gut getakteter Teil davon, und genau deshalb lohnt sich die Erklärung.

Was GLP-1 ist und woher es kommt

GLP-1 steht für Glucagon-like Peptide-1. Es ist ein Inkretinhormon, wird also vom Darm als Reaktion auf Nahrung freigesetzt und hilft, die Insulinausschüttung zu regulieren. Zuständig dafür sind die sogenannten L-Zellen. Sie sitzen gehäuft in der Schleimhaut deines Dünndarms und setzen GLP-1 innerhalb von Minuten nach dem Essen frei, besonders als Antwort auf Protein, Fett und Ballaststoffe.

Danach wandert GLP-1 über das Blut und wirkt an mehreren Stellen gleichzeitig. In der Bauchspeicheldrüse regt es die Insulinfreisetzung an und drosselt gleichzeitig Glucagon, das den Blutzucker sonst anheben würde. Im Magen verlangsamt es, wie schnell Nahrung in den Dünndarm weiterrückt. Und im Gehirn, vor allem im Hypothalamus und im Hirnstamm, signalisiert es, dass du gegessen hast und satt wirst.

All das gehört zur ganz normalen Verdauung. Jeder Mensch mit funktionierendem Darm bildet täglich GLP-1, ganz unabhängig davon, ob er je ein GLP-1-Medikament oder ein entsprechendes Supplement genommen hat. Gemeinsam mit anderen Darmhormonen wie PYY und CCK stimmt es ab, wie dein Körper auf eine Mahlzeit reagiert.

Eine praktische Einschränkung hat GLP-1 allerdings, und die ist für das Verständnis der Medikamente entscheidend: Ein Enzym namens DPP-4 baut es innerhalb von einer bis zwei Minuten nach der Freisetzung wieder ab. Genau wegen dieser kurzen Halbwertszeit sind die pharmazeutischen Varianten so gebaut, dass sie diesem Abbau widerstehen.

Was GLP-1 mit Hunger, Verdauung und Blutzucker macht

GLP-1 wirkt auf drei Systeme, die zusammenhängen.

Blutzucker. Nach einer Mahlzeit hilft GLP-1 der Bauchspeicheldrüse, Insulin glucoseabhängig freizusetzen. Es steigert die Insulinausschüttung also vor allem dann, wenn der Blutzucker erhöht ist, und nicht wahllos. Zusätzlich unterdrückt es Glucagon, das den Glucosespiegel sonst weiter nach oben treiben würde. Beides zusammen federt die starken Blutzuckerschwankungen nach einer großen oder kohlenhydratreichen Mahlzeit ab.

Magenentleerung. GLP-1 verlangsamt, wie schnell Nahrung aus dem Magen in den Dünndarm gelangt. Das hat zwei Effekte: Die Glucose kommt gleichmäßiger im Blut an, und die Sättigung nach dem Essen hält länger, weil die Nahrung länger im Magen bleibt.

Appetitsignale. GLP-1 wirkt direkt auf dieselbe Schaltung im Nucleus arcuatus, die oben beschrieben ist, und speist in die POMC- und AgRP-Neurone ein, die Hunger- und Sättigungssignale zusammenführen. Die Forschung zur Darm-Hirn-Achse hat GLP-1-Aktivität außerdem in Hirnregionen nachgewiesen, die mit Belohnung durch Essen zu tun haben. Das könnte erklären, warum eine erhöhte GLP-1-Signalgebung nicht nur mit weniger Hunger einhergeht, sondern auch mit weniger Interesse an besonders schmackhaften, kalorienreichen Lebensmitteln. Dieser belohnungsbezogene Effekt steht in aufschlussreichem Gegensatz zum Endocannabinoid-System, das genau dieses Essverhalten antreibt.

Stabilerer Blutzucker, langsamere Verdauung, gedämpfte Hungersignale: Diese Kombination erklärt, warum GLP-1 in Gesprächen über Stoffwechsel und Gewicht so zentral geworden ist. Ein Ein-Aus-Schalter für den Appetit ist es dabei nicht. Es ist Teil eines größeren hormonellen Austauschs zwischen Darm und Gehirn, der nach jeder Mahlzeit abläuft.

GLP-1 und GLP-1-Medikamente sind nicht dasselbe

An dieser Stelle verschwimmt am meisten, deshalb möglichst präzise.

Zu den GLP-1-Medikamenten gehören Semaglutid, vermarktet als Ozempic und Wegovy, und Tirzepatid, vermarktet als Mounjaro. Es sind verschreibungspflichtige Arzneimittel, die die Wirkung des natürlichen Hormons nachahmen sollen. Das zentrale technische Problem dabei war die kurze Halbwertszeit des Hormons. Weil körpereigenes GLP-1 innerhalb von Minuten abgebaut wird, sind diese Medikamente so verändert, dass sie dem Abbau widerstehen und über Tage statt Minuten wirksam bleiben.

Praktisch heißt das: Diese Medikamente erzeugen eine deutlich höhere und länger anhaltende Aktivierung der GLP-1-Rezeptoren, als Essen allein es je könnte. Das ist ein echter Unterschied und nicht bloß eine Frage des Ausmaßes. Die natürliche, durch Nahrung ausgelöste GLP-1-Ausschüttung ist ein kurzlebiges Signal, das sich selbst begrenzt: Es steigt innerhalb von einer bis zwei Stunden nach der Mahlzeit an und fällt wieder ab. Eine wöchentliche Injektion von Semaglutid dagegen hält die GLP-1-Rezeptoren rund um die Uhr beschäftigt. Deshalb können die Medikamente deutlich größere und beständigere Effekte auf Appetit und Blutzucker haben als eine Ernährungsumstellung allein.

Die Medikamente tragen also den Namen des natürlichen Hormons und wirken über denselben Rezeptor. Die konzentrierte Fassung eines proteinreichen Frühstücks sind sie damit aber nicht. Sie bewegen sich in einer anderen Größenordnung der Rezeptoraktivierung. Genau deshalb brauchen sie medizinische Begleitung, haben ein eigenes Nebenwirkungsprofil und werden verschrieben statt frei verkauft.

Dazu kommt: Nicht jedes GLP-1-Medikament wirkt ausschließlich über GLP-1. Tirzepatid aktiviert sowohl den GLP-1-Rezeptor als auch einen zweiten Darmhormonrezeptor für GIP (glucoseabhängiges insulinotropes Polypeptid). Das gilt als ein Grund dafür, dass es in Studien im Durchschnitt etwas größere Effekte gezeigt hat als Medikamente, die nur auf GLP-1 wirken. Dieser Zwei-Hormon-Ansatz erinnert daran, dass an der Regulation von Appetit und Blutzucker mehr als ein Signalweg beteiligt ist. GLP-1 ist darin ein wichtiger und gut verstandener Teil, aber nicht das Ganze.

Von der Laborentdeckung zum Alltagsbegriff

Vom unscheinbaren Darmhormon zum Alltagsbegriff hat GLP-1 etwa vier Jahrzehnte gebraucht. Schon im frühen zwanzigsten Jahrhundert vermuteten Forschende, dass der Darm nach dem Essen ein Signal an die Bauchspeicheldrüse schickt. Sie nannten das den Inkretin-Effekt. Bis das konkrete Hormon identifiziert war, dauerte es allerdings bis in die 1980er. 1987 bestätigten zwei Forschungsgruppen, darunter jene von Joel Habener und Svetlana Mojsov, dass das aktive Fragment von GLP-1 die Insulinfreisetzung stark anregt.

Zwischen dieser Entdeckung und einem tatsächlichen Medikament stand die flüchtige Halbwertszeit von rund zwei Minuten. Für eine Therapie, die einmal täglich oder einmal wöchentlich gegeben wird, ist das viel zu kurz. Der Durchbruch kam von unerwarteter Seite: 1992 fand ein Forscher im Gift der Gila-Krustenechse, einer langsamen Wüsteneidechse, ein Peptid namens Exendin-4. Es aktivierte denselben Rezeptor wie GLP-1, wirkte aber Stunden statt Minuten (Eng et al., 1992). Daraus entstand Exenatid, das 2005 als erster GLP-1-Rezeptoragonist zugelassen wurde. Spätere Wirkstoffe wie Liraglutid und Semaglutid gingen nicht mehr vom Echsengift aus, sondern direkt vom menschlichen Hormon. Chemische Veränderungen schützen sie ebenso vor dem schnellen Abbau.

Die heutigen Schlagzeilen sind also die sichtbare Spitze einer Forschungsarbeit, die seit über vierzig Jahren läuft. Dahinter steckt gewöhnliche, schrittweise Hormonbiologie und keine plötzliche Erfindung.

Kannst du dein eigenes GLP-1 über die Ernährung unterstützen?

In einem gewissen Rahmen ja. Auf die genaue Formulierung kommt es dabei an. Bestimmte Lebensmittel und Essgewohnheiten gelten in der Forschung als gut belegte natürliche Auslöser der GLP-1-Ausschüttung:

Protein ist einer der stärksten bekannten Ernährungsreize für die GLP-1-Sekretion. Das ist ein wesentlicher Grund, warum proteinreiche Mahlzeiten länger sättigen als kalorienmäßig vergleichbare Mahlzeiten aus raffinierten Kohlenhydraten. Dabei sind offenbar nicht alle Proteinquellen gleich wirksam. In einer kontrollierten Humanstudie hob Whey-Proteinhydrolysat, zusammen mit calciumreichen Milchmineralien aufgenommen, das GLP-1 nach der Mahlzeit auf einige der höchsten physiologischen Werte, die in der Literatur berichtet werden. Der Effekt hängt mit dem Aminosäureprofil von Milchproteinen zusammen. Pflanzliches Protein ist deshalb ernährungsphysiologisch keine schlechtere Wahl. Wenn es dir aber speziell um GLP-1 geht, ist dieser Unterschied belegt.

Lösliche, viskose Ballaststoffe aus Hafer, Flohsamenschalen, Hülsenfrüchten und vielen Gemüsesorten bilden im Verdauungstrakt eine gelartige Substanz und verlangsamen die Verdauung. In kontrollierten Studien haben sie die GLP-1-Werte nach dem Essen messbar verändert. Wie viel davon am Tag sinnvoll ist, haben wir in unserem Beitrag zu Ballaststoffen pro Tag aufgeschlüsselt.

Gesunde Fette regen die GLP-1-Ausschüttung ebenfalls an, wenn du sie zusammen mit anderen Nährstoffen isst, unter anderem über Fettsäurerezeptoren in der Darmschleimhaut.

Fermentierbare Ballaststoffe ernähren deine Darmbakterien, die daraus kurzkettige Fettsäuren bilden. Diese Fettsäuren unterstützen über einen eigenen Weg die Freisetzung von GLP-1 und von PYY, einem weiteren Sättigungshormon.

Auch die Essgewohnheiten spielen eine Rolle. Langsam essen und verlässliche Abstände zwischen den Mahlzeiten helfen, ebenso ein Verzicht auf stark verarbeitete, schnell verdauliche Lebensmittel, die den Blutzucker hochtreiben und wieder abstürzen lassen. Über den Tag bleibt die GLP-1-Signalgebung so stabiler. Dazu zählt auch der Schlaf: Schlecht oder unregelmäßig geschlafen, geraten gleich mehrere appetitrelevante Hormone durcheinander, darunter Leptin und Ghrelin. GLP-1 ist dabei nur ein Teil des Ganzen. Aber es zeigt gut, wie verzahnt die Hungerregulation ist und warum keine einzelne Gewohnheit für sich allein wirkt.

Eines heißt das ausdrücklich nicht: dass ein Lebensmittel oder ein Supplement leisten könnte, was ein verschreibungspflichtiges GLP-1-Medikament leistet. Der Abstand in der Größenordnung ist erheblich, und keine seriöse Ernährungsstrategie schließt diese Lücke. Was gute Ernährung leisten kann: deine eigene, natürliche GLP-1-Antwort unterstützen. Das ist ein lohnendes Ziel für sich, völlig unabhängig von der Debatte über Abnehmmedikamente. Wenn du bereits ein GLP-1-Medikament nimmst, ist die Ernährungsseite ein eigenes Thema: Wie du dabei Muskeln und Nährstoffe schützt, haben wir separat aufgeschrieben. Und wer den Weg über die Ernährung ohne Medikament gehen möchte, findet in unserem Beitrag zum gesunden Abnehmen den nüchternen Rahmen dazu.

Das Wichtigste zum Schluss

GLP-1 ist keine neue Erfindung und keine geheimnisvolle pharmazeutische Substanz. Es ist ein Darmhormon, das dein Körper immer schon gebildet hat und das jedes Mal, wenn du isst, leise seine Arbeit macht: Es regelt den Blutzucker mit, bremst die Verdauung und meldet dem Gehirn Sättigung. Die Medikamente, die seinen Namen tragen, verstärken diesen bestehenden biologischen Weg pharmazeutisch. Sie sind darauf ausgelegt, die von Natur aus kurze Lebensdauer des Hormons zu überwinden und seine Wirkung viel länger aufrechtzuerhalten, als Essen es könnte.

Ob ein GLP-1-Medikament für eine einzelne Person das Richtige ist, klärt diese Unterscheidung nicht. Das gehört in ein Gespräch mit einer medizinischen Fachperson, auf Basis der individuellen Vorgeschichte und Ziele. Sie hilft dir aber, die nächste Schlagzeile zu GLP-1 nüchterner zu lesen. Es geht darin um ein Hormon, das ohnehin schon immer Teil deiner Biologie war.

FAQ: Häufige Fragen zu GLP-1

Wofür steht GLP-1?

GLP-1 steht für Glucagon-like Peptide-1. Zellen in deinem Dünndarm bilden dieses Hormon, wenn du isst, besonders als Reaktion auf Protein, Fett und Ballaststoffe. Es wandert über das Blut bis ins Gehirn und signalisiert dort Sättigung. Außerdem verlangsamt es die Verdauung und hilft über die Insulinfreisetzung, den Blutzucker zu regulieren. GLP-1 ist vollständig körpereigen: Jeder Mensch bildet es täglich, unabhängig von Medikamenten oder Supplementen.

Wie wirkt GLP-1 im Körper?

GLP-1 wirkt entlang der Darm-Hirn-Achse. Nach dem Essen wird es im Darm freigesetzt. Es regt die Bauchspeicheldrüse zur Insulinausschüttung an, verlangsamt die Magenentleerung und meldet den Appetitzentren im Gehirn, dass du satt wirst. Stabilerer Blutzucker, langsamere Verdauung und gedämpfte Hungersignale: Diese Kombination erklärt, warum GLP-1 in Gesprächen über Stoffwechsel und Gewicht so zentral geworden ist.

Ist GLP-1 dasselbe wie Ozempic oder Wegovy?

Nein. GLP-1 ist das natürliche Hormon. Ozempic, Wegovy und Mounjaro sind Medikamente, die dessen Wirkung nachahmen oder verlängern, und zwar weit über dem Niveau, das der Körper selbst erreicht. Das Hormon steckt in jedem Menschen und arbeitet täglich im Hintergrund der Verdauung. Die Medikamente verstärken diesen bestehenden Weg pharmazeutisch, sie ersetzen ihn nicht.

Kann man GLP-1 natürlich erhöhen?

In einem gewissen Rahmen ja. Mehr Protein, Ballaststoffe und gesunde Fette, langsameres Essen und verlässliche Essenszeiten können deine natürliche GLP-1-Ausschüttung unterstützen. Die Wirkung von GLP-1-Medikamenten bildet das nicht nach. Es ist aber ein forschungsgestützter Weg, Sättigung und Stoffwechselgesundheit über die Ernährung zu unterstützen.

Ist GLP-1 das einzige Hormon, das den Appetit steuert?

Nein, bei Weitem nicht. GLP-1 arbeitet mit mehreren Partnern zusammen. Leptin aus dem Fettgewebe meldet dem Gehirn langfristig den Energiestatus. Ghrelin aus dem Magen steigt vor Mahlzeiten und treibt den Hunger an. CCK schüttet der Dünndarm kurzfristig aus, vor allem als Antwort auf Fett und Protein. Und die POMC- und AgRP-Neurone im Hypothalamus führen all diese Signale zusammen. Das Endocannabinoid-System kommt als weitere Ebene hinzu und drückt in die Gegenrichtung: Es fördert die Nahrungsaufnahme. GLP-1 ist ein gut verstandener und gut getakteter Teil eines viel größeren Systems, aber nicht das Ganze.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Wer ein GLP-1-Medikament in Erwägung zieht oder eine bestehende Behandlung wesentlich ändern möchte, sollte das mit einer medizinischen Fachperson besprechen.

Quellen

Eng, J., Kleinman, W. A., Singh, L., Singh, G., & Raufman, J. P. (1992). Isolation and characterization of exendin-4, an exendin-3 analogue, from Heloderma suspectum venom. Journal of Biological Chemistry, 267(11), 7402–7405.

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