
Egal, ob du deinen ersten Halbmarathon läufst oder deine Bestzeit im Marathon knacken willst – in diesem Guide von Olympionike Philipp Pflieger findest du alles, was du brauchst: Trainingspläne, Technik-Tipps, Ernährung, Mindset und Strategien für Regeneration und Erholung.
Du planst deinen ersten Halbmarathon oder Marathon? Dann bist du hier genau richtig. In diesem umfassenden Guide nehmen wir dich Schritt für Schritt an die Hand – von den ersten Trainingswochen über die richtige Ernährung bis hin zur mentalen Stärke und der Erholung nach dem großen Tag. Und weil echte Tipps von echten Profis Gold wert sind, haben wir den ehemaligen Olympia-Marathonläufer Philipp Pflieger nach seinen persönlichen Strategien gefragt.
Mach dich bereit für deinen Lauf deines Lebens – wir zeigen dir, wie.
Ein strukturierter Trainingsplan ist das A und O deiner Vorbereitung. Dabei ist es entscheidend, frühzeitig zu starten und das Training schrittweise aufzubauen. Ex-Marathon-Läufer Philipp Pflieger empfiehlt, mindestens ein halbes Jahr für einen Halbmarathon und ein Jahr für einen Marathon einzuplanen – inklusive Grundlagenphase.
Hast du bereits eine gewisse Lauferfahrung, kann auch ein 12-Wochen-Plan reichen. Wichtig ist: Du brauchst einen klaren Plan, realistische Ziele und ausreichend Erholungsphasen.
Gerade wenn du zum ersten Mal für einen (Halb-)Marathon trainierst, fragst du dich vielleicht: Wie oft sollte ich laufen? Welche Trainingsformen sind wichtig? Und wie bekomme ich das in meinen Alltag integriert? Keine Sorge, hier findest du zwei Beispielwochen, die Philipp empfiehlt, um dein Training zu strukturieren.
Beim Halbmarathon liegt der Fokus auf drei wöchentlichen Laufeinheiten. Das ist ein guter Einstieg, um deinen Körper Schritt für Schritt an längere Belastungen zu gewöhnen – ohne ihn zu überfordern. Zusätzlich helfen dir ein bis zwei Einheiten Kraft oder Mobilität dabei, Verletzungen vorzubeugen und deine Haltung beim Laufen zu verbessern.
In der Marathonvorbereitung wird das Training umfangreicher: Fünf bis sechs Laufeinheiten pro Woche sind üblich, wobei sich langsame Dauerläufe mit intensiveren Tempoeinheiten abwechseln. Ergänzend kannst du ein bis zwei Einheiten auf dem Rad oder im Wasser absolvieren – besonders hilfreich, wenn du deine Ausdauer steigern willst, ohne deine Gelenke zusätzlich zu belasten.

Dein Körper braucht unterschiedliche Trainingsreize, um sich weiterzuentwickeln – und gleichzeitig Erholungsphasen, um diese Reize auch zu verarbeiten. Genau hier setzt die sogenannte Periodisierung an. Das Prinzip: Du strukturierst dein Training in klar abgegrenzte Phasen, die jeweils einen bestimmten Fokus haben. So arbeitest du dich systematisch vom Grundlagenaufbau bis zur spezifischen Wettkampfvorbereitung vor – mit einem abschließenden Tapering, das deinem Körper die nötige Ruhe vor dem großen Tag gibt.
Teile dein Training in verschiedene Phasen ein:
Intervall, Tempowechsellauf, Longrun – was ist das? Hier sind die vier Trainingsphasen nochmal im Detail und einfach erklärt:

„Uns wurde schon in der Jugend beigebracht, Laufumfänge behutsam zu steigern, um Überlastungen zu vermeiden. Mehr als 10–15% Steigerung pro Woche würde ich nicht empfehlen.“
Heißt konkret: Übertreibe es nicht, auch wenn – oder gerade wenn – du große Ambitionen hast. Wenn du in Woche 1 z. B. 20 km läufst, sollten es in Woche 2 höchstens 22–23 km sein. Lass deinem Körper Zeit, sich anzupassen.
Wer gerade mit dem Laufen beginnt, konzentriert sich oft ausschließlich auf das Laufen selbst – und übersieht, wie entscheidend eine gute Lauftechnik und ausreichende Beweglichkeit für langfristigen Fortschritt sind. Dabei kann schon ein kleines Techniktraining pro Woche deine Effizienz spürbar verbessern und dich vor Überlastungen schützen. Du verbrauchst weniger Energie, schonst deine Gelenke und reduzierst das Risiko typischer Laufverletzungen.
Viele Laufanfänger:innen neigen laut Philipp zu einer sogenannten „sitzenden" Laufhaltung – das heißt, der Oberkörper ist zu weit nach hinten verlagert, die Hüfte nicht gestreckt. Auch eine zu starke Rotation des Oberkörpers kostet unnötig Energie und bringt dich aus dem Rhythmus.
Techniktraining muss nicht kompliziert sein. Im Gegenteil: Schon 15 Minuten vor oder nach deinem Lauf können den Unterschied machen. Kombiniere einfache Übungen für die Rumpfstabilität mit Koordinationsübungen für deinen Laufstil.
Für Philipp Pflieger gehören drei Dinge unbedingt zu einem effektiven Techniktraining:
Das Lauf-ABC ist eine Sammlung technischer Laufübungen, die gezielt an deiner Haltung, Koordination und Muskelaktivierung arbeiten. Der Begriff "Lauf-ABC" kommt daher, dass die Übungen wie ein "Alphabet" für sauberes Laufen funktionieren: Du lernst Schritt für Schritt die Grundlagen eines guten Laufstils. Ziel ist es, ökonomischer zu laufen und gleichzeitig Verletzungen vorzubeugen.
Lauf-ABC sind einfache Technikübungen wie:
Mobilitätsübungen verbessern die Beweglichkeit deiner Gelenke und Muskeln – besonders wichtig für Hüfte, Sprunggelenk und die Wirbelsäule. Sie helfen, muskuläre Dysbalancen auszugleichen und bereiten dich auf dynamische Bewegungen vor. Das kann so einfach aussehen wie:

„Ich integriere etwa 2–3 mal pro Woche gezielt Lauf-ABC-Übungen und Schwunggymnastik in mein Training. Diese nutze ich als Warm-up vor den intensiveren Laufeinheiten – zusammen mit dynamischen Mobilitätsübungen.“
Die richtige Ernährung ist ein zentraler Bestandteil deiner Marathonvorbereitung. Sie beeinflusst nicht nur deine Leistungsfähigkeit im Training, sondern auch, wie schnell du regenerierst – und ob du dich insgesamt wohlfühlst. Eine ausgewogene Ernährung liefert deinem Körper die Energie, die er für lange Läufe braucht, unterstützt die Muskelreparatur und stärkt dein Immunsystem in anstrengenden Trainingsphasen.

„AG1, doppelter Espresso und Porridge mit Wasser, Banane, Honig und etwas Zimt. Funktioniert für mich immer.“ Philipp setzt bei seiner Ernährung auf die wichtigsten Nährstoffe:
„Für mich ist AG1 seit 3,5 Jahren tägliche Routine und das aus gutem Grund: Ein gutes Immunsystem und nachhaltige Energieversorgung sind von zentraler Bedeutung, um langfristig konstant leistungsfähig zu sein.“
Je mehr du trainierst, desto mehr Energie braucht dein Körper. Besonders an Tagen mit Intervallen oder Longruns solltest du darauf achten, deine Kalorienzufuhr zu erhöhen – am besten über nährstoffreiche Mahlzeiten und gezielte Snacks vor und nach dem Training.
„Insbesondere vor einem Marathonlauf ist Carboloading ca. 4 Tage vor dem Rennen ein wichtiger Schlüssel, um am Wettkampftag bestmöglich zu performen. Das heißt: In dieser Zeit bewusst Proteine und Gemüse zurückschrauben – und voller Fokus auf eine erhöhte Kohlenhydratzufuhr in jeder Mahlzeit.“
Beispielgerichte für diese Phase: Pasta mit Tomatensauce und Weißbrot, Haferflocken mit Banane und Honig, Ofenkartoffeln mit etwas Olivenöl. (Guten Appetit!)
Deine Beine bringen dich ins Ziel, aber dein Kopf entscheidet, wie – und ob – du überhaupt an den Start gehst. Mentale Stärke ist ein oft unterschätzter Teil der (Halb-)Marathonvorbereitung, besonders bei Einsteiger:innen. Es geht nicht darum, immer motiviert zu sein, sondern zu lernen, auch an schwierigen Tagen dranzubleiben, mit Zweifeln umzugehen und aus Rückschlägen zu wachsen.
Gerade während eines mehrmonatigen Trainingsplans wird es Tage geben, an denen du lieber auf dem Sofa bleiben möchtest als deine Laufschuhe zu schnüren. Wichtig ist, diese Momente einzuordnen und sich daran zu erinnern, wofür du trainierst. Mentaltraining bedeutet: einen klaren Fokus haben, mit innerem Druck umgehen können – und sich aktiv motivieren.
„Mir hilft die Erfahrung der vielen Jahre Profisport, Selbstzweifel oder schwierige Trainingstage als Teil des Prozesses zu begreifen. Eine einzelne Trainingseinheit – gut oder schlecht – ist nicht entscheidend, sondern die Disziplin und Kontinuität eines 12-Wochen-Marathon Plans."
Eine einfache, aber wirkungsvolle Technik: Stell dir vor, wie du durchs Ziel läufst – mit hochgereckten Armen, stolz, glücklich, vielleicht sogar mit Tränen in den Augen. Diese Vorstellung kann dir in zähen Trainingsmomenten einen echten Motivationsschub geben.
Du bist nervös vor deinem ersten großen Lauf? Gut so, sagt Philipp. Denn Nervosität zeigt: Es bedeutet dir etwas. Und das Adrenalin, das dein Körper dabei ausschüttet, ist kein Gegner – sondern ein Booster für deine Leistung.
„Nervosität und Anspannung vor einem Rennen sind ganz normal und zeigen, dass euch das wichtig ist. Das Adrenalin hilft, Höchstleistung zu bringen. Erinnert euch daran, was ihr alles auf euch genommen und überwunden habt, um an dieser Startlinie zu stehen. Seid stolz auf euch und euren Körper und freut euch auf das Rennen, denn hier holt ihr euch eure Belohnung für die harte Arbeit!“
Denke wie ein:e Profi-Sportler:in
Motivation ist nicht immer da – Disziplin bringt dich weiter
Rückschläge gehören zum Prozess und sagen nichts über deinen Erfolg
Nutze Visualisierungen und Nervosität als mentale Werkzeuge
Akzeptiere mentale Tiefs – sie gehören dazu
Visualisiere dein Ziel und erinnere dich an deinen Fortschritt
Nervosität = Fokus: Nutze das Adrenalin
Zwei Tage vor dem Rennen beginnt der Feinschliff deiner Vorbereitung. Jetzt geht es nicht mehr darum, dich körperlich zu fordern, sondern deinen Körper und Geist auf den Punkt vorzubereiten. Ruhe, Routinen und ein klarer Ablauf geben dir Sicherheit und Energie – für einen Start ohne Stress und mit einem klaren Fokus. Philipp Pflieger hat dafür drei goldene Regeln: „Zwei Tage vor dem Rennen mache ich grundsätzlich nichts mehr – das ist mein kompletter Ruhetag. Ich lege die Beine hoch, checke nochmal mein Equipment und ziehe das Carboloading konsequent durch.“
Der häufigste Fehler am Wettkampfmorgen?
„Ein typischer Fehler, den ich immer wieder sehe: Am Renntag wird plötzlich etwas Neues ausprobiert – ein anderes Frühstück, neue Schuhe, ungewohnte Gels. Ich kann nur raten: Lasst das sein. Am Wettkampftag solltet ihr nur das nutzen, was ihr in den letzten 12 Wochen getestet habt.“
Du hast die Ziellinie überquert – Glückwunsch! Doch auch wenn dein Rennen vorbei ist, spielt das richtige Verhalten nach dem Lauf eine große Rolle für deine Erholung. Recovery ist nicht nur wichtig, um Muskelkater zu vermeiden, sondern auch, um Verletzungen vorzubeugen, deinen Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen und neue Energie für kommende Ziele zu tanken. Deshalb solltest du auch die Regeneration bewusst planen – so wie dein Training.
Die ersten Minuten nach dem Lauf sind entscheidend. Gib deinem Körper jetzt das, was er am dringendsten braucht: Flüssigkeit, Nährstoffe und Ruhe. Nach einem langen Rennen darfst du dir aber auch etwas gönnen. Philipp setzt hier ganz bewusst auf Belohnung – und spricht damit vielen aus der Seele:
„Idealerweise in den ersten 20 Minuten nach dem Rennen ein proteinreicher Recovery-Shake, ein heißes Bad im Hotel und wenn möglich noch eine Massage am gleichen Tag. In 9 von 10 Fällen war meine erste Mahlzeit nach dem Ziel Burger, Pommes und ein Bier – für die Seele.“
Die richtige Nährstoffversorgung ist nicht nur in den ersten Minuten, sondern besonders in den ersten 24 Stunden nach dem Rennen entscheidend. Dein Körper arbeitet jetzt auf Hochtouren, um beschädigtes Gewebe zu reparieren und sich zu erholen.
Ob Halbmarathon oder Marathon, mit Struktur, Disziplin und Freude ist dein Finish absolut machbar. Nutze diesen Guide als Fahrplan, passe ihn an deinen Alltag an, hör auf deinen Körper – und vergiss nie, warum du angefangen hast.
Dein Trainingsplan auf einen Blick
Früh genug starten: Plane 6–12 Monate Vorbereitungszeit ein – je nach Ziel.
Trainingsplan strukturieren: 3–6 Laufeinheiten pro Woche plus Kraft & Mobilität.
Phasenweise trainieren: Grundlagentraining, Aufbau, Intensivphase und Tapering.
Technik & Mobilität nicht vergessen: Sie helfen dir, effizient und verletzungsfrei zu laufen.
Ernährung bewusst gestalten: Setze auf Kohlenhydrate, Proteine und Mikronährstoffe.
Carboloading vor dem Rennen: Starte 3–4 Tage vorher – Fokus auf Kohlenhydrate.
Philipp Pflieger ist professioneller Langstreckenläufer und Olympionike mit über 15 Jahren Erfahrung im Spitzensport. Er vertrat Deutschland im Marathon bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio und nahm an zahlreichen Welt- und Europameisterschaften teil. Mit einer persönlichen Bestzeit von 2:12 Stunden bringt Philipp nicht nur wertvolle Rennerfahrung, sondern auch fundiertes Trainingswissen mit. Heute gibt er dieses Wissen weiter, um Läufer:innen aller Leistungsstufen dabei zu unterstützen, smarter zu trainieren, ihre Performance zu verbessern und verletzungsfrei zu bleiben.
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Mental dranbleiben: Disziplin schlägt Motivation. Visualisiere dein Ziel.
Keine Experimente: Verwende am Renntag nur erprobte Ausrüstung & Routinen.
Regeneration einplanen: Recovery beginnt direkt nach dem Lauf – Shake, Essen, Ruhe.
Feiere deinen Erfolg: Du hast trainiert, durchgezogen und es geschafft. Stolz erlaubt!