Zwischen Freiheit und Struktur: Rosa Klöser fährt ihren eigenen Weg
Vom selbstorganisierten Alltag ins WorldTour-Team – Rosa Klöser über Routinen, Neugier und warum echte Weiterentwicklung ohne Leidenschaft nicht funktioniert.
Der Wechsel vom selbstbestimmten Alltag in ein hochstrukturiertes Team klingt für viele nach einem Widerspruch. Für sie ist es eine perfekte Balance. Als Privateer im Gravel und gleichzeitig Teil eines WorldTour-Teams im Straßenradsport vereint Rosa Klöser zwei Welten: maximale Eigenverantwortung und professionelle Teamstruktur.
Im Interview spricht sie über Routinen als Fundament, mentale Ausdauer, wissenschaftliche Neugier – und warum „continuous improvement“ für sie vor allem eines bedeutet: Leidenschaft.
AG1: Du bist von einem sehr selbstorganisierten Alltag plötzlich Teil eines hochstrukturierten Teams geworden. Was war an der Umstellung am schwierigsten – und was hat sich überraschend befreiend angefühlt?
Rosa Klöser: In meinem aktuellen Konstrukt bin ich Privateer im Gravel und auf der Straße Teil eines WorldTour-Teams. Für mich ist diese Balance ein wahrgewordener Traum – ich kann mich selbstständig managen und habe die Freiheiten im Gravel-Programm, profitiere aber gleichzeitig von einem hochstrukturierten Team und lerne viel von meinen Kolleginnen.
Du willst Dinge wirklich verstehen – Taktik, Equipment, deinen Körper. Woran merkst du: Hier lohnt sich Optimierung – und wo ist Einfachheit die bessere Entscheidung?
Trial and Error. Hier gibt es leider keine Shortcuts.
Viele verbinden Routinen mit Einschränkung. Du erlebst eher das Gegenteil. Welche Routinen geben dir Stabilität und sogar Freiheit – gerade wenn vieles neu, schnell oder unvorhersehbar ist?
Als Sportlerin erlebe ich Routinen eher wie ein Fundament. Jeden Tag ändert sich so viel. Routinen erlauben mir, mich zu entspannen und zu wissen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Bei langen Rennen ist Ausdauer auch mental. Wie gehst du damit um, deine Energie zu schützen – nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf?
Ich glaube, da helfen mir oft meine Erfahrungen als Wissenschaftlerin. Kein Projekt verläuft geradlinig, es gibt immer wieder Umwege. Es geht nicht darum, problemlos im Ziel anzukommen, sondern auch in schweren Momenten dranzubleiben.
Wenn dein Alltag plötzlich intensiver wird – Reisen, Rennen, Erwartungen: Was sind deine Basics, die abgedeckt sein müssen, damit du dich voll aufs Radfahren konzentrieren kannst?
Gibt es Momente in deinem Tag, in denen du bewusst nicht viel nachdenken willst – Stichwort Decision Fatigue – und einfach einem System vertraust, weil es funktioniert?
Gerade an stressigen Reisetagen helfen mir Routinen. Dazu gehört auch AG1. Früher hat es mich gestresst, mit einer riesigen Box voller Supplements zu reisen.
Wie hat dich dein wissenschaftlicher Hintergrund als Mensch und Athletin geprägt – und welche Denkweise daraus ist heute auf dem Rad besonders wertvoll für dich?
Meine Neugierde und meine Begeisterungsfähigkeit. Ich liebe es, mich in neue Projekte zu stürzen – zum Beispiel neue Rennen oder Rennstrecken.
Wenn du Freiheit in dieser Phase definieren müsstest – auf dem Rad und darüber hinaus – was bedeutet sie für dich?
Neue Teile der Welt und Orte zu erkunden – und inspirierende Menschen kennenzulernen.
Du hast gesagt, dass du dich ständig weiterentwickeln willst. Bei AG1 ist „continuous improvement“ ein zentraler Wert. Was bedeutet das für dich persönlich – und welche kleinen Dinge machst du regelmäßig, um besser zu werden?
Hörst du beim Radfahren (oder bei deiner Morgenroutine) Musik? Wenn ja: Was läuft bei dir gerade rauf und runter?
Absolut. Von „leavemealone“ von Fred again.. bis „Shyne“ von Travis Scott. Ich liebe UK-Rap. (Hier findet ihr Rosas Playlist.)
Was gibt dir mehr: allein sein und „in den Tunnel“ gehen – oder die Energie der Gruppe?
Das kommt ganz darauf an. Aber die letzte Minute vor dem Start eines Rennens bin ich gerne ganz bei mir.
Eher süß oder salzig? Und was ist dein Go-to-Snack nach langen Tagen?
Süß – und es kommt auf das Land an, in dem ich gerade bin. Als ich in Dänemark gelebt habe, war am Wochenende die Zimtschnecke bei einer langen Ausfahrt das Highlight. In Andorra: Croissant mit Dulce de Leche.
Wetter: Welche Bedingungen liebst du heimlich – und welche testen deine Geduld maximal?
Hitze. Ich liebe die Sonne und habe oft das Gefühl, dass ich auch bei hohen Temperaturen eine ähnlich gute Leistung bringen kann. Nieselregen hingegen finde ich ätzend.
Was machst du, wenn du mental voll bist – und wieder runterkommen willst?
Recovery Boots und ein warmer Kakao.
Was vermisst du aus deinem „alten“ Alltag am meisten?
Meine Kolleg:innen und meine Studierenden. Ich habe es geliebt zu unterrichten oder in einer Kaffeepause mit Kolleg:innen über neue Projekte zu sprechen.
Was ist ein Team-Luxus, den du inzwischen wirklich feierst – auch wenn du es nie erwartet hättest?
Das Begleitauto im Trainingscamp an extrem regnerischen Tagen. Absoluter Luxus, sich während der Einheit noch einmal trockene Kleidung anziehen zu können.
Danke dir, Rosa!
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